Wider den Olympischen Gedanken

Wider den Olympischen Gedanken

In der Journal-Ausgabe vom Freitag, dem 9. August, hatte ich die Gelegenheit, im Namen der LGBT-Organisation Rosa Lëtzebuerg a.s.b.l. unsere Sicht auf die Olympischen Winterspieler 2014 in Sotschi zu schildern.

Kurz nach dem Ende der Sowjetunion 1993 wurden in Russland sexuelle Handlungen unter gleichgeschlechtlichen Erwachsenen legalisiert, 1999 Homosexualität von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen. Es schien, als würde unter Jelzin  ein modernes Russland entstehen. 2011 wurde in St. Petersburg ein  Gesetz „gegen homosexuelle Propaganda“ beschlossen, ein Gesetz, nach dem jegliche positive Äußerungen über Homosexualität in der Öffentlichkeit streng bestraft werden. Am 29. Juni 2013 unterzeichnete Putin ein Gesetz, das auf dem St.Petersburger Beispiel beruhend nun für ganz Russland gilt.

Es erreichen uns nun beinahe täglich Horrormeldungen aus Russland: rechte Gruppierungen locken homosexuelle Jugendliche mittels Fake-Konten auf Social Network-Plattformen in Fallen, wo diese schikaniert und erniedrigt werden. Immer öfter kommt es aber zur Gewalt  und Folter an deren Folgen seit Mai mindestens zwei Opfer verstorben sind. Die Täter filmen sich bei ihren Taten und laden die Videos ins Internet. Kommt es zu Verhaftungen, so sind die Täter kurze Zeit später wieder frei. Konsequenzen brauchen die Täter nicht zu befürchten. Soldaten der Luftwaffe sehen sich im Recht, Aktivisten bei angemeldeten Demonstrationen zu attackieren.

Und was sagt der Präsident dazu? Putin lässt sich, sichtlich gerührt, beim Selig-Festival von Jugendlichen für seinen erbitterten “Kampf gegen Sodomiten” feiern.

Dies ist also die aktuelle Situation der LGBT-Minderheit in Russland, wo im Winter 2014 die olympischen Winterspiele stattfinden sollen. Sportwettkämpfe, die auf den hehren, „ritterlichen“ Prinzipien der olympischen Charta fußen. In dieser fordert das IOC unmissverständlich im fünften Punkt der Präambel, dass “jede Form der Diskriminierung […] mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar” ist.

Am 26. Juli hat das IOC Versicherungen aus “höchsten Regierungskreisen” erhalten, dass diese Gesetze nicht für Sportler und Besucher der Wettbewerbe gelten würden. Eine Woche später stellte der russische Sportminister klar, dass die Gesetze dennoch Gültigkeit haben werden.

Wir leben gerade in einer Zeit, in der sich immer mehr Profi-Sportler zu ihrem Outing durchringen. Jeder, der so etwas bereits hinter sich hat, weiß, welchen ungeheuren Mut dies erfordert, der ungleich größer bei Athleten sein muss, gilt im Profisport Homosexualität doch noch als Tabuthema. Mit ihrem Outing geben die Olympioniken sehr vielen Menschen Hoffnung und vor allem Mut, sich selbst zu akzeptieren. Wir können nur das COSL sowie unseren Repräsentanten beim IOC, Großherzog Henri, dazu aufrufen, sich beim IOC für weitere Verhandlungen mit Moskau einzusetzen. Falls diese Verhandlungen scheitern, können und dürfen die olympischen Winterspiele nicht in Russland stattfinden. Eine Austragung der Spiele in Sotschi unter diesen Bedingungen ist eine Schande für die olympische Bewegung und alle teilnehmenden Länder, da hier ein Akzeptieren der Diskriminierungspolitik Russlands dargestellt wird.

One Reply to “Wider den Olympischen Gedanken”

  1. Na wenigstens garantiert Russland dem IOC die Rechte homosexueller Sportler. Trotzdem ist und bleibt es eine Mutmaßung die olympischen Spiele dort abzuhalten. Den Hass gegen Homosexuelle ist eben gerade in Russland schon recht tief verwurzelt, dass niemand weiß, wie es letzten Endes ausgehen wird. Sogar das IOC hat die Olympioniken gewarnt, oder viel mehr verboten, Proteste dort abzuhalten, und das in ihrem eigenen Interesse.

    Ich persönlich bin immer noch gegen eine Abhaltung der Oylmpischen Spiele in Russland, schon allein wegen der Menschenrechte und dem Recht der freien Meinungsäußerung, die ja offensichtlich nicht so ganz in Russland bezüglich der Homosexulität gelten. Russland kritisiert mit seinen Gesetzen die Homosexuellen weltweit, schlimmer noch, russische LGBT-Angehörige verzweifelen und verstecken ihe Homosexeualität. Zurecht. Die Homophobe-Saat bei der jüngeren Generation, die Putin mit seinen Schnapsgesetzen sät, bildet das Fundament einer homophoben Generation, die sogar jetzt schon mehr als Präsent ist. Erinnert stark an Hitler und seinen Judenhass, der ja auch von der damaligen Folgegeneration als wahr und richtig akzepitert und umgesetzt wurde.

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