Homo-Ehe: Kritik der Kritik der Pro-Argumente

Homo-Ehe: Kritik der Kritik der Pro-Argumente

In der Wort-Ausgabe vom 17. März ist eine Kritik über die Pro-Argumente der Homo-Ehe zu lesen. In seinem Artikel, welcher in längerer Fassung auf der Webseite der Zeitung zu finden ist, zählt der Philosophielehrer in Ruhestand, Hubert Hausemer, Argumentklassen auf, welche häufig von Homo-Ehe-Anhänger ins Feld geführt werden  und versucht sie der Reihe nach als nicht stichhaltig zu entlarven.

Die Kritik erscheint anfangs recht sachlich, was eine willkommene Abwechslung darstellt, ist man doch sonst größtenteils religiös motiviertes Contra gewohnt. Bedenkt man die Anzahl der Argumentsklassen, stolze acht an der Zahl, so ist man überzeugt, dass der Autor sich länger mit dem Thema beschäftigt hat und eine objektive Kritik verfasst hat. Ich sollte jedoch enttäuscht werden.

Gleich zu Anfang wirft der Lehrer die zynische Frage auf, woher das plötzliche Verlangen nach einer Ehe und einer Familie rühren würde. Zynisch deshalb, da jedem klar sein dürfte, dass es noch nicht einmal 15 Jahre her ist, dass Homosexualität noch ein Tabu-Thema war. Dass sich heute viele Jugendliche relativ unbesorgt als das outen können, was sie wirklich sind, ist das Verdienst der ersten Generationen von LGBT-Aktivisten. In ihrem jahrelangen Kampf um Gleichstellung war der PACS, so sinnvoll wie er auch sein mag (immerhin hat dieser seine Vorteile und damit auch eine Berechtigung), nur eine Zwischenetappe. Von einem plötzlichen Verlangen kann also keine Rede sein.

Bei seinem ersten Beispiel versucht der Autor ein gedankliches Akrobatikkunststück um das Argument der Diskriminierung als nicht gegeben darzustellen. Der 1. Artikel der UNO-Menschenrechtserklärung, alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, wäre nur dann zulässig, wenn sie in einer gleichen Situation sind. Da weder bei der UNO noch im Code Civil nichts näheres über die Ehe zu finden ist, wird der Code Napoleon mit einer Definition aus dem 19. Jahrundert bemüht. Und siehe da, dort ist bloß die Rede von Mann und Frau, ergo sind zwei Männer oder zwei Frauen nicht in  der selben Situation, wenn sie Anerkennung für ihre Liebe wollen. Auch wenn Herr Hausemer das Argument der Liebe nicht gelten lassen will, da es juristisch gesehen keine Relevanz hat, ist es unbestreitbar das Hauptargument!

Da für den Autor Modernität nicht immer etwas positives sein muss, gilt auch das schön hübsch gelehrt klingende Argument der Non-Malefizienz (Es schadet keinem) nicht. Neue Familienformen existieren zwar, müssen jedoch nicht unbedingt „gesetzlich gefördert werden“, da sich alte Familienbilder bewährt haben. Somit wird nicht nur gleichgeschlechtlichen Paaren sondern auch Patchworkfamilien und Familien mit Alleinerzieher als „Ausnahme der Regel“ gebrandmarkt, wobei besonders letztere eine besondere Anerkennung verdienen müssten. Es bleibt zu erwähnen, dass die Rate der Scheidungen ständig zunimmt und Alleinerzieher längst keine Seltenheit mehr sind und es oft nicht einfach haben.

Auffallend oft wird die gleichgeschlechtliche Ehe als Büchse der Pandora dargestellt. Tritt diese einmal in Kraft, ist es nur eine Frage der Zeit bis dass polygame und inzestuöse Paare das gleiche Recht fordern. Der Autor unternimmt den Versuch, die Ehe für Homosexuelle als ein Mittel zum Zweck darzustellen und so das Recht eines Kindes zu bekommen sowie der Verschaffung materieller Vorteile wie Kindergeld etc. Die ist schlicht bösartige Polemik.
Auch wenn viele den Wunsch haben sollten, einem Kind ein liebevolles Zuhause zu bieten, so ist dies keineswegs etwas Schlechtes. Es ist absolut nichts Unnatürliches daran, eine Familie gründen zu wollen.

In einem weiteren Contra-Punkt geht Herr Hausemer auf künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft ein.  Künstliche Befruchtung wäre, da nur für heterosexuelle Paare gedacht, etwas negatives, wenn es für gleichgeschlechtliche Frauen-Paare eingesetzt werden würde. Beim Thema der Leihmutterschaft, so hat er ansatzweise Recht, wenn es darum geht, Frauen und ihre Schwangerschaft (besonders unter ausbeuterischen und unsauberen Bedingungen, oftmals gegen ihren Willen) als Dienstleistung zu missbrauchen. Dies passiert aber bereits jetzt schon häufig und ist keineswegs eine Erfindung schwuler Paare oder eine Konsequenz aus der Eheöffnung und sollten somit auch nicht als Teil dieser Diskussion sondern als separates Thema behandelt werden.

Was die Familienformen angeht, so entgeht dem Autor noch eine ganz bestimmte Form von Familie, die sich in anderen Länder bereits sehr langsam etabliert. Schwule und lesbische Paare, welche jeweils den Wunsch haben, einem Kind ein liebevolles Zuhause zu geben, finden sich zusammen und gründen so eine Großfamilie. Auch wenn dies mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Mehrheit aller LGB-Familen darstellen wird, ist dies eine äusserst solidarische Form des Zusammenleben, in der jeder für jeden  Verantwortung übernimmt und die geschützt werden muss.

In den vergangenen Zwanzig Jahren ist bereits viel darüber diskutiert worden. Die Organisation Rosa Lëtzebuerg lädt seit Gründung im Jahr 1996 aktiv zu einer offenen Diskussion ein. In diesem Jahr feiert die Einführung der eingetragenen Partnerschaft ihr zehntes Jahr. In anderen Länder innerhalb- und außerhalb der EU ist es schwulen und lesbischen Paaren bereits möglich zu heiraten, ohne dass die Welt unterging. Es ist nun Zeit, den nächsten Schritt zu wahren! Mit Klischees kommen wir jedoch nicht weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.